eBay übernimmt Magento – Ein Abgesang

Als vor wenigen Jahren Magento als vermeintlich revolutionäres WebShop-System auf Open Source Basis auch zunehmende Verbreitung im europäischen Markt fand, waren die Blogs und Fachmagazine voll des Lobes für diese auf den ersten Blick recht nett anzuschauende WebShop-Anwendung mit vielen interessanten Features. Die Hoffnung war gross, endlich eine wirkliche kostenfreie und leistungsfähige eCommerce Applikation nutzen zu können, die auch endlich Schrittmacher bei den deutschen Entwicklern wird.

Die Ernüchterung kam schnell. Zunächst stellten sich die Installationsprozesse als recht aufwendig dar und die Serveranforderungen waren nicht das, was deutsche Anwender sich wünschten. Bei den meisten Providern lief die Software nicht performant und im Regelfall musste ein eigener dedizierter Webserver zum Einsatz kommen, was die Hostingkosten auch bei kleinen Projekten explodieren liess.

Dann traten Probleme mit den europäischen Anforderungen an die Rechtskonformität auf, Steuersätze wurden nicht richtig verarbeitet, die Übersetzungen waren mehr als laienhaft.

Schnelle Entzauberung

Magento wurde in Deutschland schnell entzaubert und nur größere Agenturen überwiegend nutzten die Software in Projekten mit starker Kundenbindung. Dagegen wollten die Entwickler mit einer SaaS-Lösung – also ein fertig installiertes WebShop-Paket – entgegentreten, leider nur mit mäßigem Erfolg. Zum einen wollten deutsche Nutzer die Software beim eigenen Provider laufen lassen und zum anderen bietet die SaaS-Lösung bisher keine Möglichkeit, das Layout einigermassen professionell zu gestalten.

eBay als Geldgeber

eBay trat als Investor auf den Plan und wurde zunächst als Minderheitsgesellschafter und reiner Kapitalgeber angepriesen. Insbesondere die deutsche Community war skeptisch und das zurecht. eBay investiert rein gewinn-orientiert und hat keine Kernkompetenz im eCommerce. Insbesondere die in Deutschland üblichen kleinen und Kleinst-Shopbetreiber bleiben bei allen bisherigen eBay-Massnahmen auf dem Marktplatz auf der Strecke und die Befürchtung ist gross, dass sich dies auch bei Magento fortsetzen würde.

Nur wenige Monate nach dieser Minderheitsbeteiligung durch eBay verkündet Magento Inc. die vollständige Übernahme durch eBay und leitet damit das fiktionale Ende von Magento im deutschsprachigen Raum ein. Natürlich bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich so weit kommen wird, und eBay auch die Entwicklungshoheit über die Software übernimmt. Insgesamt kann jedoch festgestellt werden, dass überall dort, wo eBay massgeblich beteiligt wurde, die Kosten für die Nutzung explodiert sind und der Innovationsgrad stark zurückgeschraubt worden ist. Das weiss auch die Community, von der die Software lebt.

Fatale Fehlentscheidungen

Insbesondere bei Magento ist dies fatal. Denn die Software hat zwar Potential und einen nicht zurecht erworbenen Bekanntheitsgrad, dennoch wird laufend am deutschen Anwender vorbeientwickelt und es ist zu befürchten, dass sich dies fortsetzen wird. Während vor 10 Jahren die Datenauslagerung im Rahmen von Outsourcing-Strategien bereits Thema war und dies von deutschen Unternehmen im Gegensatz zu den us-amerikanischen Mitbewerbern nicht angenommen worden ist, ist es heute SaaS und die cloud, die Magento zum Erfolg verhelfen soll. “Ein totes Pferd kann man jedoch nicht mehr reiten” – was deutsche Unternehmen vor gut 10 Jahren aus richtigen Gründen nicht akzeptierten, wird auch heute in neuen Tüchern kein Erfolg werden können. Insbesondere dann nicht, wenn das Vertrauen verspielt ist.

Auf der Strecke bleibt eine an sich gute Idee, die bereits im Ansatz scheitern musste, weil rationales reines Gewinnstreben und emotionale Innovation in der Regel in einem Markt, der von Dienstleistungen lebt und die Software kostenlos bereitstellt, nicht funktionieren kann.